Bernd Schneider hört auf.
Das ist eine bittere Nachricht für Bayer Leverkusen und den deutschen Fußball. Nationalspieler Bernd Schneider beendet seine Karriere, der 35-Jährige hat Bayer 04 Leverkusen um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Dies teilte der Bundesligist am Freitag mit.
Trauriger Abschied: Leverkusenens Bernd Schneider muss verletzungsbedingt aufhören. Bei einer ärztlichen Nachuntersuchung wurde festgestellt, dass die Rückenmarksverletzung, die er im April 2008 bei einem Sportunfall erlitten hatte, die Fortsetzung seiner Laufbahn unmöglich macht. „Ich habe seit diesem Unfall gesundheitliche Probleme. Mit meiner Entscheidung folge ich den Ratschlägen der Fachärzte“, sagte Schneider.
Schneider bestritt 81 Spiele in der deutschen Nationalmannschaft. Der „weiße Brasilianer“, wie Schneider wegen seiner unglaublich guten Technik genannt wurde, stand in Leverkusen seit 1999 unter Vertrag.
Seine erste Bundesliga-Saison absolvierte Schneider im Trikot der Frankfurter Eintracht in der Spielzeit 1998/99. In seinem letzten Spiel für die Hessen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Frankfurter in einem spannenden Saísonfinish den Klassenerhalt schafften – beim 5:1 gegen den FCK am 34. Spieltag steuerte er einen Treffer und eine Vorlage bei. „Glänzender Vorbereiter und Torschütze, im letzten Spiel vor seinem Wechsel nach Leverkusen noch einmal in Topform“, so die Begründung des kicker, warum er zum Spieler dieses Wahnsinnsspiels wurde.
Danach wechselte er vom Main an den Rhein und beendet nun nach 296 Bundesligspielen und 39 Toren seine Karriere. Seinen letzten, emotionalen Auftritt erlebte er bei der Heimpartie der Leverkusener in Düsseldorf, als er am 33. Spieltag beim 5:0 gegen Gladbach in der 73. Minute eingewechselt wurde und kurz darauf einen Treffer vorbereitete. Es war ein Comeback auf der Bundesliga-Bühne nach mehr als 13 Monaten Verletzungspause – am 13. April 2008 zog er sich die folgenschwere Rückenmarksverletzung zu, die nun die Karriere des Ausnahmefußballers beendet.
Für seinen Heimatverein Carl Zeiss Jena stand „Schnix“, wie Schneiders Spitzname lautet, 124-mal in der Zweiten Liga auf dem Platz. „In Jena habe ich das Einmaleins des Fußballspielens gelernt. In den 15 Jahren beim FC Carl Zeiss habe ich einfach alles erlebt, alle Höhen und Tiefen durchgemacht“, sagt Schneider auf seiner offiziellen Website. Seit Mai 2009 ist der in Jena geborene Familienvater auch der persönliche Berater von Jenas-Präsident Peter Schreiber.
Trotz der Tatsache, dass Bernd Schneider keinen Titel gewann, gehörte er doch zu den herausragenden Figuren des deutschen Fußballs. Mit Leverkusen war er Vizemeister (2000, 2002), Vize-Champion in der europäischen Königsklasse (2002), Vize-Pokalsieger (2002, 2009) und Vize-Weltmeister 2002 sowie Dritter beim Turnier im eigenen Land im Jahr 2006.
Nach einem Abschiedsspiel in der gerade runderneuerten BayArena wartet auf Schneider zunächst eine Arbeit in der Scouting- oder Jugendabteilung des Vereins.
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Stimmen zu Schneiders Karriereende
Bundestrainer Joachim Löw: „Der Rücktritt von Bernd Schneider weckt bei mir viele Erinnerungen an seine Auftritte in der Nationalmannschaft. Über viele Jahre hinweg war er ein wichtiger Spieler unseres Teams, der großen Anteil an vielen Erfolgen hatte. Spätestens seit der WM 2002 stand er bei den Fans ganz hoch im Kurs. Die spielerischen Qualitäten von Bernd und seine überraschenden Aktionen im Mittelfeld waren für die Nationalmannschaft von enormer Bedeutung für die Nationalmannschaft.“
Leverkusens Sportchef Rudi Völler: „Bernd ist ein ganz großer Fußballer gewesen, der uns in Deutschland und bei Bayer Leverkusen mit seiner Spielkunst verzaubert hat. Zudem ist Bernd ein sehr angenehmer und bescheidener Mensch, dem ich für die Zukunft alles erdenklich Gute wünsche.“
Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack: „Diese Entwicklung ist schade. Die Nationalmannschaft verliert nicht nur einen überragenden Fußballspieler, sondern auch eine große Persönlichkeit. Ich hätte gerne mit ‚Schnix‘ noch ein großes Turnier zusammen gespielt. Dass dies nun nicht mehr möglich sein wird, bedauere ich sehr.“